seinsichten aus welten

INTERNATIONALER KÜNSTLERWORKSHOP

 

Henry Leo Schoebel

Jahrg. 1955 - USA


Meine Malerei hier in Rostock führt eine Auseinandersetzung mit den theologischen Ideen des Glaubens und der Hoffnung fort, die mich in meiner Arbeit der letzten zwei Jahre beschäftigt haben. Wenn man glaubt, dann bedeutet das, dass das Abstrakte konkret wird, wenn man hofft, dann meint man, dass das woran man glaubt, zugänglich oder erreichbar ist. Theologisch gesehen aber sind weder Glauben noch Hoffnung möglich ohne die Gnade. Und Gnade, wiederum theologisch, ist selten, wenn überhaupt, wirklich verdient. Daher gibt es die Vorstellung der unverdienten Gnade. Gnade, wie die Eingebung oder die Offenbarung, ist ein Geschenk, ein spirituelles Geschenk, das plötzlich und ohne Anstrengung oder Grund auftaucht. Man kann nicht danach suchen. Diese Geschenke können einem nur gegeben werden.
Ein Maler steht vor einer leeren Leinwand mit dem Glauben, dass ein Bild möglich ist, und in der Hoffnung, dass er das Bild ausführen kann. Aber woher kommt der Glauben, woher kommt die Hoffnung? Wie werden sie verdient?
Das Werk mit mehreren Tafeln, „Unmerited Grace“, das ich für die Rostocker Ausstellung gemacht habe, ist sowohl eine Metapher als auch ein konkretes Zeichen für die Gnade. Genau so wie ein „?“ sowohl abstrakte Idee als auch konkretes Zeichen ist.
Was ist für den Maler die unverdiente Gnade? Ich glaube, es ist das Zeichen der Farbe. Einfache konkrete Zeichen werden auf seltsamer Weise mit Gnade erfüllt, vielleicht immer unverdient!


My paintings here in Rostock continue an exploration of the theological ideas of faith and hope which have been subjects for my work for the last couple of years. To have faith is to believe the abstract is concrete, to hope is to believe that which one has faith in is accessible or attainable. Neither faith nor hope, however, are possible, theologically speaking, without grace. And grace, again theologically, is rarely, if ever, merited. Hence, the theological idea of unmerited grace. Grace, like inspiration or revelation, is a gift. These are spiritual gifts, that occur or appear suddenly without effort or reason. One cannot seek them. They can only be given.
A painter stands before a blank canvas with faith that a painting is possible, and with the hope that they can execute it. But where does this faith and hope come from? How is it merited?
The muli-panel piece titled “Unmerited Grace” that I have executed for the exhibit in Rostock is both a metaphor and a concrete sign for grace. In the same way as a “?” is both an abstract idea and a concrete sign.
What is unmerited grace for the painter? I think it is the paint mark. Simple concrete signs mysteriously capable of being filled with grace, perhaps always unmerited!